Bedeutung der Sternchen im Namen

 

Weil es immer wieder Unklarheiten darüber gab, warum wir so heißen, wie wir heißen:

  • „Post-Gender“ zu sein, sollte als Ziel und nicht als Gegebenheit formuliert werden, wenn die Mehrheit der Piratenpartei sich dafür ausspricht, progressiv zu sein und keine Menschen ausschließen möchte.
  • Ein weiterer wichtiger Aspekt, der hier genannt werden muss, ist unsere Sprache. Grammatikalisch existiert kein Plural jenseits von Geschlechtergrenzen, der uns alle unter einem Wort eint. Entgegen der Linie der Bundespartei gendern wir daher Namen und Bezeichnungen, da Sprache ein bedeutender Aspekt in der Reproduktion und Konstituierung gesellschaftlicher Entitäten ist. Wenn wir nicht gendern, schaden wir unserem Ziel, eine gleichberechtigte Gesellschaft zu realisieren. Denn nichts ist fundamentaler für eine Gesellschaft, als eine Sprache, mit der sich alle verständigen können.
  • Durch das Gendern möchten wir erreichen, dass ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, kein Geschlecht und keinen Menschen auszuschließen.

Aus diesen Gründen haben wir im Konsens entschieden, uns als pirat*inn*en zu bezeichnen. Für unsere Schreibweise hatten wir verschiedene Vorschläge, von denen dieser die Befürwortung der Gruppe fand. Wir sind nicht der Meinung, dass wir in der Frage der Geschlechterpolitik grundsätzlich gegensätzliche Positionen zu der Piratenpartei vertreten.

Dazu ein Auszug aus dem Grundsatzprogramm der Piratenpartei:

  • „Die Piratenpartei steht für eine zeitgemäße Geschlechter- und Familienpolitik. Diese basiert auf dem Prinzip der freien Selbstbestimmung über Angelegenheiten des persönlichen Lebens, das sich ableiten lässt aus Artikel 1 des Grundgesetzes. Die Piraten setzen sich dafür ein, dass Politik der Vielfalt der Lebensstile gerecht wird. Jeder Mensch muss sich frei für den selbstgewählten Lebensentwurf und die von ihm gewünschte Form gleichberechtigten Zusammenlebens entscheiden können. Das Zusammenleben von Menschen darf nicht auf der Vorteilnahme oder Ausbeutung Einzelner gründen.“
  • „Die Piratenpartei steht für eine Politik, die die freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Identität bzw. Orientierung respektiert und fördert. Fremdbestimmte Zuordnungen zu einem Geschlecht oder zu Geschlechterrollen lehnen wir ab. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Geschlechterrolle, der sexuellen Identität oder Orientierung ist Unrecht. Gesellschaftsstrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und müssen überwunden werden. […]“
    • „Der Zwang zum geschlechtseindeutigen Vornamen ist abzuschafen.“

Selbstbestimmt und basisdemokratisch haben wir uns im Konsens (reden bis alle einverstanden sind) für den Listennamen „pirat*inn*en und offene liste“ entschieden. Damit entgehen wir dem Zwang zum geschlechtseindeutigen Listennamen. Wir respektieren die freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Identität bzw. Orientierung. Wer sich darüber lustig macht oder aus diesem Grund die Zusammenarbeit mit uns ablehnt diskriminiert uns aufgrund unseres queeren Ansatz des „undoing Gender“ und verstößt damit gegen das Grundsatzprogramm. Wir bekennen uns hingegen zum Programm und lassen Euch und anderen die Möglichkeit sich Piraten zu nennen, wenn Ihr/sie diese männliche Form in der Parteiarbeit verwenden wollt.

Im Grundsatzprogramm steht übrigens nicht, welche Art der Sprache verwendet werden muss. Hinzu kommt, dass in keinem Beschluss und keinem Grundsatz- oder Wahlprogramm eine „Post-Gender“ Doktrin vorgeschrieben ist. Es gibt nicht einmal wissenschaftliche Arbeiten zum Post-Gender Thema.

Was bedeuten die Sternchen im Namen?

  • kein Geschlecht wird bevorzugt behandelt, im Umkehrschluss werden alle Geschlechter gleich behandelt
  • Nicht wir, sondern Du wählst Dein Geschlecht beim Lesen
  • Geschlecht ist im geschrieben Text keine feste Kategorie
  • Du stolperst beim Lesen und wirst auf auf unsere bipolare hetero normative Gesellschaft aufmerksam gemacht
  • Wir denken beim Schreiben über gesellschaftlich reproduzierte Rollenbilder nach und eliminieren sie
  • Transgender, Intersexuelle oder Transsexuelle sind mit an Bord
  • Butch, Diva, Femme, Tunte, Dyke – Du bist das, was Du sein möchtest

Was bedeuten die Sternchen im Namen nicht!

  • männlich oder weiblich
  • nur die weibliche Form
  • Du musst Dich einem Geschlecht zuordnen
  • Die Reproduktion der Kategorie Geschlecht
Zusätzlich hat Björn seine Überlegungen schon einmal pro/contra zusammengefasst.
Verschiedene Gedanken dazu im Internet:

Wir sagen nicht, dass die *** ab sofort von allen Mensch überall verwendet werden sollen, es ist unser Weg als Gruppe mit der meist maskulinen Sprache umzugehen.

Und zum Abschluss ein schönes Gedicht von http://blitzmerkerin.wordpress.com/ :

Gesell_schaftlicher Stern*chenHimmel

Januar 27, 2012

Ein *Sternchen* wird’s zu allen Seiten
Soll es offen sein und jeder Mensch
Sich selbstbestimmt und still –
so wie gewollt – zur Mitte hin
und davon Weg bewegen?

Wollen wir wirklich Stern*chen sein?
und eine Mitte finden?
Nicht stolpern über
Normen grader Worte,
auch da wo keine Lücke?

|a*l*l*e? formten eine Brücke.
Keiner stand für sich allein,
doch manch_er war besonders fein
mit eben dieser Lücke:
von starker Hand links fest gezogen
und nicht mehr bInnen sondern
rechts vom Fragenmanifest.
Ein Kraftakt wider der Balance
denn auf ihr stand der ganze „Rest“.

Für alle Menschen* schreiben wir erbarmen.
Die Frage kurz und rekursiv:
was* sprach eigentlich
gegen ein übergreifend weiblich
als ganz und gar generisch’ inklusiv?
Die ganze Welt versprachs uns zu umarmen.

Jetzt werd ich solidarisch Stern*chen
doch weiterhin mit vielen ??? sein
Denn wie mir scheint: daran änderts nix.
Muss mich wohl Sternchenklein
inmitten manch_er Worte freuen,
dass ich damit auch gemeint und nicht mehr Suffix
bin.

ZT. Brauchen wir den Unterstrich? Feministische Linguistik und Queer Theory, Teil 1

Der Freitag zu Post-Gender.

Post-Gender Angesichts der aktuellen Popularität von Post-Gender Theorien besonders innerhalb als sehr Hoffnungsvoll für Genderbedürfnisse gehypten Parteien wie den Piraten. Einige Listen an Hochschulen haben sich in diesem Bezug ganz klar mit einem Sternchen Positioniert an der UHH ist es also eine Pirat*innen Liste. In diesem Zusammenhang gilt es immer wieder zu betonen, dass wenn sie Angst vor uns haben, wir alles richtig gemacht hätten. Dennoch vermag es manche Frustration nicht zu überwinden. Ich für meinen Teil habe nun auch jegliche Solidarisierungsbestrebungen (die ich nie offen bekundete, die mich jedoch an mancher Stelle an meinen Positionen zweifeln liessen) fürMännerräume nun gänzlich verloren.
Die Piratenpartei und ihre „CCC-Ladies“ ebenfalls.

  2 Responses to “Bedeutung der Sternchen im Namen”

  1. Man könnte sich auch einfach geschlechtsneutral weiterhin Piratenhochschulgruppe Hamburg nennen. Sternchen bedeutet für mich Wildcard also man kann irgendwas einsetzen. Das passt hier nicht also sieht es nur wie eine Hervorhebung der weiblichen Form aus, die grammatikalisch dem generischen Maskulinum (das beide Geschlechte beinhaltet) widerspricht. Also ist das hier wohl eine Piratinnengruppe und ich fühle mich als Mann ausgeschlossen.

  2. Warum Piraten für uns eben nicht geschlechtsneutral ist, trotz des generischen Maskulinum, haben wir (meine ich) ziemlich genau beschrieben.

    Wenn es für Dich Wildcard heißt, dann setzte doch für die Sternchen Klammern. Dann steht da pirat(inn)en und da Sachen, die Du Dir in Klammern setzt für dich auch weggelassen werden können…

    Aber was ist mit einer Piratin oder mit zwei Piratinnen, die vor einem Plakat stehen? Sollen die dann Piraten sein? Und was ist mit einer Person, die sich keinem Geschlecht zuordnen will, ist die dann automatisch männlich, nur weil Männer sagen, dass sie den männlichen Namen wollen und keine Sternchen und was ist eigentlich männlich?

    Es ist keine Piratinnengruppe, sondern eine pirat*inn*en Gruppe und wir wollen mit dem Namen explizit darauf aufmerksam machen, dass Gesellschaft Geschlecht konstruiert.

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